Wie Du einen Festpreis-Vertrag mit Deiner Softwareagentur verhandelst
Ein Festpreisvertrag schützt nur dann, wenn die richtigen Klauseln enthalten sind. Die wichtigsten Verhandlungspunkte für KMU vor der Unterschrift.
Ein Festpreis allein schützt Dich nicht automatisch vor Budgetüberraschungen. Entscheidend ist, was im Vertrag um diesen Festpreis herum geregelt ist. Diese Punkte solltest Du vor der Unterschrift klären.
1. Eindeutiger Bezug auf das Anforderungsdokument
Der Vertrag sollte explizit auf ein konkretes, versioniertes Anforderungsdokument verweisen – nicht auf eine allgemeine Leistungsbeschreibung. Nur so ist später eindeutig nachvollziehbar, was Teil des Festpreises war und was nicht.
2. Explizite Out-of-Scope-Liste
Genauso wichtig wie die Liste der enthaltenen Leistungen ist eine Liste dessen, was nicht enthalten ist. Ohne diese Abgrenzung wird jede spätere Diskussion über Mehrarbeit zur Auslegungssache.
3. Definierter Change-Request-Prozess
Änderungswünsche während des Projekts sind normal – die Frage ist, wie sie gehandhabt werden. Ein guter Vertrag legt fest: schriftliche Beschreibung der Änderung, verbindliche Kostenschätzung, Genehmigung vor Umsetzung. Ohne diesen Prozess werden Änderungen entweder informell durchgewunken (und tauchen später als unerwartete Mehrkosten auf) oder blockieren das Projekt.
4. Meilensteine mit konkreten Abnahmekriterien
Statt nur einen Endtermin zu vereinbaren, sollten Zwischenmeilensteine mit überprüfbaren Kriterien definiert sein. So werden Abweichungen früh sichtbar – nicht erst kurz vor dem geplanten Livegang, wenn eine Korrektur am teuersten ist.
5. Zahlungsplan an Meilensteine gekoppelt
Eine Zahlung erst bei vollständiger Abnahme am Projektende gibt Dir wenig Druckmittel während der Laufzeit. Üblich und fair ist ein Zahlungsplan, der an die erreichten und abgenommenen Meilensteine gekoppelt ist.
6. Gewährleistung und Nacharbeit
Was passiert, wenn nach der Abnahme Mängel auftreten? Ein seriöser Vertrag regelt eine Gewährleistungsfrist, in der Nacharbeiten ohne zusätzliche Kosten erfolgen.
7. Rechte an Code und Daten
Klären, wem der entwickelte Code nach Projektende gehört und wie Du im Fall eines Anbieterwechsels an Quellcode und Daten kommst – idealerweise vertraglich mit einem klaren Übergabeprozess abgesichert.
Was im Gespräch ein Warnsignal ist
Wenn ein Anbieter sich weigert, eine Out-of-Scope-Liste oder einen Change-Request-Prozess vertraglich festzuhalten, ist das ein Hinweis darauf, dass er sich bewusst Spielraum für spätere Nachforderungen offenhält.
Fazit
Ein Festpreis ist nur so verbindlich wie die Klauseln, die ihn umgeben. Wer diese sieben Punkte vor der Unterschrift klärt, verhindert, dass aus einem vermeintlich sicheren Festpreis am Ende doch eine Budgetüberraschung wird.
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