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Die Risiken von "Vibe Coding" – Warum KI allein keine Entwickler ersetzt

ChatGPT, Cursor und Lovable versprechen, dass jeder eine App bauen kann. Für ernsthafte Geschäftssoftware ist das ein gefährliches Versprechen. Die Risiken von Vibe Coding im Überblick.

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"Vibe Coding" - mit ein paar Prompts in Claude, Cursor oder Lovable eine App bauen, ohne selbst Code zu schreiben - klingt nach der perfekten Abkürzung für budgetbewusste KMU. Für einen Prototypen oder ein Wochenend-Experiment ist das auch völlig in Ordnung. Für Software, die echtes Geld verarbeitet, Kundendaten speichert oder im Tagesgeschäft läuft, ist es ein erhebliches Risiko.

Was Vibe Coding wirklich liefert

KI-Coding-Tools sind beeindruckend gut darin, lauffähigen Code für klar umrissene, kleine Aufgaben zu erzeugen. Sie sind aber nicht gut darin, eine Anwendung als Ganzes zu durchdenken - Sicherheitsmodell, Datenintegrität, Skalierbarkeit, Wartbarkeit. Das Ergebnis sieht oft überzeugend aus, weil es im Browser läuft. Ob es das auch in sechs Monaten mit echten Nutzern und echten Daten tut, ist eine andere Frage.

Die konkreten Risiken

1. Sicherheitslücken

Ohne fundiertes Verständnis von Authentifizierung, Berechtigungsprüfung und Eingabevalidierung entstehen leicht Lücken, die erst auffallen, wenn es zu spät ist, z.B wenn Kundendaten über eine ungeschützte Schnittstelle abrufbar sind. Wer den generierten Code nicht versteht, kann solche Lücken auch nicht erkennen.

2. Fehlende Skalierbarkeit

Eine selbst zusammengeklickte App funktioniert oft hervorragend mit fünf Testnutzern. Mit fünfhundert echten Nutzern bricht sie zusammen: falsche Datenbankstruktur, fehlende Indizes, ineffiziente Abfragen. Diese Probleme zeigen sich erst im produktiven Betrieb, wenn ein Wechsel besonders teuer ist.

3. Technische Schulden ohne Dokumentation

KI-generierter Code entsteht iterativ, Prompt für Prompt, ohne durchgängige Architektur. Niemand - auch die KI selbst beim nächsten Prompt nicht - hat einen vollständigen Überblick über das System. Jede Erweiterung wird schwieriger als die letzte.

4. Keine Wartbarkeit

KI-Modell haben ein eingebautes Problem: Sie sind auf einem Wissensstand trainiert, der in der Regel ca. 1 Jahr zurückliegt. KI-Modelle neigen deshalb dazu, veraltete Versionen von Bibliotheken oder Frameworks zu verwenden. Insbesondere bei den von Vibe-Coding-Tools gerne genutzten Sprachen wie Node.js ändern sich Bibliotheken und Frameworks von einem auf das nächste Release aber zum Teil so stark, dass das eben erst erstellte Programm mit der aktuellsten Framework-Version gar nicht kompilieren würde. "Mal eben schnell" die neueste Version mit kritischen Sicherheitsupdates einspielen ist dann Fehlanzeige. Wenn es dann schnell gehen muss, brauchst Du doch einen Entwickler - und bezahlst die ersten Stunden nur für Einarbeitung.

5. Keine rechtliche und vertragliche Absicherung

Bei einer selbst gebauten App gibt es keinen Vertragspartner, der für Mängel, Datenschutzverstöße oder Ausfälle haftet. Bei einem Auftrag an einen Entwicklungspartner schon.

Wann ist Vibe Coding trotzdem sinnvoll?

Für interne Wegwerf-Tools, schnelle Prototypen zur Validierung einer Idee oder persönliche Skripte ist KI-Coding ein hervorragendes Werkzeug – schnell, günstig, ausreichend. Sobald Kundendaten, Zahlungen, mehrere User oder regulatorische Anforderungen ins Spiel kommen, ist der Punkt erreicht, an dem erfahrene Entwickler den Unterschied zwischen einem funktionierenden Produkt und einem teuren Nacharbeitsprojekt machen.

Der bessere Weg für KMU

Die Lösung muss nicht "zurück zu klassischer, langsamer Softwareentwicklung" heißen. KI kann an der richtigen Stelle eingesetzt werden: nicht um Entwickler zu ersetzen, sondern um die Anforderungsphase zu beschleunigen und präziser zu machen - die Grundlage, auf der erfahrene Entwickler dann verlässlich und zum Festpreis liefern.

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